Erna Kronshage

Erna Kronshage

Vorname : Erna
Nachname : Kronshage

Adresse : Veler Straße 76, Bielefeld-Sennestadt
Geboren : 12 Dezember 1922
Gebursort : Senne II heute Bielefeld-Sennestadt
Todesort : Gnesen heute Gniezon in Polen (Anstalt Tiegenhof)
Todesdatum : 20 Februar 1944 um 9:30 Uhr
Todesgrund : Allgemeine Erschöpfung, durch Hungerskost mit Fettentzug und mit Hilfe des Schlafmittels ,,Luminal“.
Gedenken : – Stolperstein zu ihren 90. Geburtstag am 06.12.2012 vor ihrem Geburtshaus.
– Leuchtnamensband in der Kreuzkirche der LWL Klinik Gütersloh
– Am 27.01.2017 im Deutschen Bundestag eine Gedenkfeier für die NS-“Euthanasie“ Opfer.
Beruf : Haustocher auf dem Bauernhof von ihren Eltern.

Biographie Erna Kronshage
Erna Kronshage wurde am 12. Dezember 1922 geboren und wohnte auf der Veler Straße 76 in Bielefeld-Sennestadt. Erna Kronshage ist nur 21 Jahre alt geworden und war das jüngste von elf Kindern der Familie.
Auf Erna lastete eine Pflicht als „Haustochter“, denn ihre älteren Geschwister waren bereits aus dem Haus und so musste sie die Aufgaben, welche Zuhause, auf dem landwirtschaftlichen Gehöft angefallen sind, erledigen. Jedoch wollte Erna allmählich auf eigenen Füßen stehen.
Durch den Kriegsbeginn und die ersten Bombenwürfe in ihrer Umgebung, bei denen eine Bekannte in unmittelbarer Nachbarschaft ums Leben kam, wurde sie sicherlich traumatisiert und verunsichert. Dieser äußere Krieg ist auch ein innerer Krieg für Erna Kronshage geworden. Sie kann den psychischen Druck nicht mehr richtig strandhalten.
Darauf folgte im Herbst 1942 eine spontane und akute Verweigerungshaltung von Erna, zudem kam sie ihren Aufgaben nicht mehr pünktlich nach. Heute würde diese Verweigerungshaltung als „Null Bock Phase“ betitelt worden. Daraufhin fragte ihre Mutter die sogenannte „Braune Schwester“, die damals die Gemeindeschwester und Fürsorgerin der NS-Wohlfahrt war, um Rat.
Am 24. Oktober 1942 begab sich Erna auf Rat der Schwester in die Hände der Ärzte aus der Provinzialheilanstalt Gütersloh, wo professionelle Hilfe erwartet wurde. Diese Einweisung konnte damals aus formalen NS-juristischen Gründen nur unter der Bezeichnung „gemeingefährliche Kranke“ erfolgen und deshalb wurde die Zuführung polizeilich durchgeführt.
Direkt am ersten Tag wurde sie von einem dort tätigen NS-Psychiater als „ schizophren“ diagnostiziert. Schizophrenie war damals eine neue Krankheit, galt als modern und wurde mit den sog. Cardialschocks, welche die Vorläufer-Therapie der späteren Elektroschocks war, behandelt. Mit diesem Medikament wurden alle zwei bis drei Tage epileptische Anfälle ausgelöst, 20-30 pro Behandlungsserie wurden empfohlen, und somit wurde sie in ihrem Willen gebrochen und ruhig gestellt. Außerdem gab es weitere Therapiemaßnahmen, wie das Kartoffelschälen oder die Gartenarbeit, da sie auch schon Zuhause die Arbeit als „Haustochter“ zu verrichten hatte und diese zuletzt verweigerte. Durch diese Therapiemaßnahmen sollte sie ihre alten Gewohnheiten wieder bekommen und geheilt werden.
Schizophrenie galt im Sinne des NS-Gesetzes „zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ als Erbkrankheit und so sollte Erna Kronshage auf Antrag des Direktors der Provinzialheilanstalt Gütersloh zwangssterilisiert werden. Ernas Vater versuchte, die Zwangssterilisation zu verhindern, war jedoch erfolglos und so wurde sie am 4. August 1943 nach Beschluss, in zweiter Instanz des Erbgesundheitsobergerichtes Hamm zwangssterilisiert.
Sie wurde am 12. November 1943 angeblich vornehmlich „aus Luftschutzgründen“, letztlich eine getarnte NS-Euthanasie-Aktion mit 99 anderen Schicksalsgenossinnen zur Gauheilanstalt, im seit 1939 besetzten Polen, nach Tiegenhof/Gnesen, 630 Kilometer von Gütersloh entfernt, verlegt.
Erna Kronshage starb am 20. Februar 1944 angeblich an „vollkommender Erschöpfung des Körpers“, doch inzwischen wurde zweifelsfrei aus einer Forschung bewiesen, auch belegt durch Zeugenaussagen in verschiedenen Nachkriegsprozessen, dass ab 1939 die Anstalt Tiegenhof zu einer der Vernichtungsanstalten, zuerst für polnische Insassen und dann für Verlegungspatienten aus dem deutschem Reichsgebiet umgewidmet wurde.
Zum Zeitpunkt des Todes von Erna wurden dort, wie auch in mehreren anderen Anstalten, gerade im Osten, jetzt dezentral geplant, Patiententötungen durchgeführt. Diese Tötungen wurden durch eine von NS-Ärzten ausgeklügelte Kombination von Hungerkost mit Fettentzug, einhergehend mit hohen Beigaben sedierender Medikamente, z.B. des Schlafmittels „Luminal“, weiter durchgeführt. Diese Kombination führte nach einer gewissen Zeit zur Auszehrung des Körpers und zu allgemeiner Erschöpfung. Man kann also davon ausgehen, dass die Todesursache von Erna in ihrer Sterbeurkunde „allgemeine Erschöpfung“ damals als übliche Umschreibung einer geplanten und konsequenten durchgeführten Tötung war, welche damals oft im Stundentakt durchgeführt wurde.
Die Leiche von Erna Kronshage wurde auf Antrag der Eltern in die Heimat Senne II rücküberführt und nach 600 km langem Rücktransport auf den Friedhof Senne II am 5. März 1944 beigesetzt.
Seit dem 06.12.2012, zu Erna Kronshages 90. Geburtstag, gibt es einen Stolperstein vor ihrem damaligen Geburtshaus. Dieser Stolperstein liegt in Bielefeld-Sennestadt und wurde von ihrem Neffen, Edward Wieand verlegt. Außerdem wird Erna Kronshage auf einem Leuchtnamensband in der Kreuzkirche der LWL-Klinik Gütersloh genannt.

Quelle: http://gedenkort-t4.eu/de/vergangenheit/kronshage-erna