Zwangsarbeit

Zwangsarbeit ist Arbeit, die gegen den Willen des Menschen oder unter Anordnung einer Strafe verrichtet wird. Sie ähnelt der Sklaverei. Zwangsarbeiter wurden von den Nazis verschleppt, um die Arbeitsstellen der Männer, welche in der Wehrmacht waren, zu füllen. Zudem kosteten sie den Staat den weniger als einheimische Arbeitskräfte, wodurch viel Geld gespart werden konnte.
In den Jahren 1939-1945 wurden über 20 Millionen Zwangsarbeiter beschäftigt. Es gab über 30000 Lager in Deutschland. Die Arbeiter kamen aus Polen, Frankreich, den Beneluxstaaten, Skandinavien und Russland (erst ab 1941). Im August 1944 arbeiteten 6 Millionen zivile Zwangsarbeiter, davon ein Drittel Frauen und 2 Millionen Kriegsgefangene in der deutschen Wirtschaft. Arbeitsplätze in Industrie, Handwerk, Handel, Gewerbe, Verwaltung, der Reichsbahn und auf Baustellen mit Zwangsarbeitern gefüllt. Etwa die Hälfte arbeitete in der Landwirtschaft. Auch kleinere Betriebe und Familien forderten Arbeitskräfte an. Die anstrengenden Arbeiten wie Batterien herstellen, Steinbrucharbeiten und Trümmer räumen wurden zu gerne an die Zwangsarbeiter abgegeben.

 


Die Lebensbedingungen, Löhne, Art der Beschäftigung und Lebensmittelversorgung waren von der Herkunftsnation, dem rechtlichen Status und dem Geschlecht abhängig. Ostarbeiter wurden besonders schlecht behandelt, doch am schlimmsten traf es die KZ-Häftlinge. Für Westeuropäer war es erträglicher aber dennoch entbehrungsreich. Oftmals lebten die Arbeiter in Barackenlagern. Die medizinische Versorgung war schlecht. Auch vor Bombenangriffen waren sie schlecht geschützt. Die Ziele der Angriffe waren meist die Rüstungsindustrie sowie andere große Firmen. Arbeitsunfälle, Todesfälle sowie willkürliche Hinrichtungen standen fast täglich auf der Tagesordnung. Viele Unfälle passierten, weil die Arbeiter nicht angelernt wurden. Dazu kamen durchgehende Erschöpfung durch unmenschliche Lebensbedingungen und Ermüdung im Laufe des 10- 12 Stunden langen Arbeitstags. Für die Arbeiter wurde das Wochenende gestrichen, sodass sie 7 Tage die Woche, manchmal auch nachts, arbeiten mussten. Ihre Bewegungsfreiheit war stark eingeschränkt, denn sie durften die Lager nur zum arbeiten verlassen. Die wenig verbliebene Freizeit nutzten sie, um ihr Überleben zu sichern. Viele versuchten, auf dem Schwarzmarkt Brot zu erwerben. Ihnen war der Kontakt zu Deutschen verboten, ebenso die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel und Einrichtungen. Ab dem 08. März 1940 mussten polnische Arbeiter ein „P“ auf der Kleidung tragen, sowie die Kennzeichnung „OST“ ab 1942 für sowjetische Staatsangehörige.


Auch im Münsterland wurden Zwangsarbeiter beschäftigt. Unter anderem bei Claas, Miele und Bertelsmann. Alleine in Ahlen gab es ungefähr 1500 Arbeiter, 127 verloren ihr Leben in Folge von Lungenentzündungen und Tuberkulose. Diese Erkrankungen wurden durch die schlechten Lebensbedingungen hervorgerufen.
Fluchtversuche kamen häufig vor. Die Hoffnung im Heimatland wieder Fuß zu fassen, obwohl dieses besetzt und ausgeplündert wurde, war stets vorhanden. Die wieder eingefangen Arbeiter wurden hart bestraft, ebenso wie Ansätze zu Widerstand und Sabotage (von innen heraus zu schaden), zum Beispiel mit Prügel, Entzug der ohnehin schon schlechten Versorgung mit Lebensmitteln, Arrest, Deportationen ins Konzentrationslager und Hinrichtungen. Auch sexueller Kontakt mit Deutschen wurde schwer bestraft, sodass 1943 Bordelle für fremdländische männliche Arbeiter mit ausschließlich ausländischen Prostituierten eingerichtet wurden.


Ab dem 12. August 1945 wurde den Arbeitern gestattet sich auf den Heimweg zu machen, weil der Krieg am 8. Mai 1945 endete. Viele machten sich auf eigene Faust auf den Weg. Andere verblieben noch in Deutschland und lebten als Außenseiter in der Gesellschaft. Doch viele sowjetische Arbeiter wurden an der Grenze erneut verhaftet und oftmals getötet. Oftmals litten die ehemaligen Zwangsarbeiter unter psychischen und physischen Folgeschäden und lebten knapp am Existenzminimum. Natürlich gab kein deutsches Unternehmen die Schuld zu, jedes Unternehmen lehnte die Verantwortung ab.

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Quellen:
http://www.zwangsarbeit-archiv.de/zwangsarbeit/zwangsarbeit/zwangsarbeit-2/index.html
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/industrie-und-wirtschaft/zwangsarbeit.html
http://www.zwangsarbeit-archiv.de/zwangsarbeit/entschaedigung/index.html
http://www.stiftung-evz.de/stiftung/geschichte/ns-zwangsarbeit/auszahlungsprogramme/ausgleich-von-zwangsarbeit.html
https://www.bundesarchiv.de/oeffentlichkeitsarbeit/presse/02356/index.html.de
http://www.bayern.rosalux.de/event/46028/ns-zwangsarbeit-im-laendlichen-raum.html
http://www.riss-durchs-leben.lvr.de/de/dasprojekt/einstieg/zwangsarbeitimnationalsozialismus.html
https://de.wikipedia.org/wiki/NS-Zwangsarbeit_im_M%C3%BCnsterland
http://www.muenster.de/stadt/zwangsarbeit/nach45_01.html
http://www.die-glocke.de/lokalnachrichten/regionales/Schwieriges-Kapitel-Firmen-in-der-NS-Zeit-4fbd6786-d6e5-47a4-be28-a9045ad28fc7-ds