Familie Spiegel Enniger

Familie Spiegel im 19. Jahrhundert

Die Geschichte der Familie Spiegel beginnt bereits im 19.Jahrhundert. Die Familie lebte damals in Enniger.

Am 22. April 1873 wurde das Familienmitglied Georg Spiegel beschuldigt, die 32-jährige Elisabeth Schütte ermordet zu haben. Er wurde wegen eines Sexualmordes beschuldigt, jedoch vom Staatsanwalt für unschuldig erklärt. Das Erstaunliche an der Geschichte ist aber, dass zu dieser Zeit ein Staatsanwalt einen Mord untersucht, es einen Beschuldigten gab, der „Jude“ war und er unschuldig war. Dennoch glaubten alle Bürger Ennigers, dass es „der Jude“ war. Die restlichen Einwohner Ennigers wollten das nicht akzeptieren und begannen mit Attacken gegen jüdische Bürger. An jedem Jahrestag der Ermordung mussten die jüdischen Bürger Ennigers zahlreiche Schmähungen ertragen. Außerdem wurden Häuser und die Synagoge beschmiert und jüdische Händler boykottiert.

Nach und nach verließen alle jüdischen Bürger das Dorf Enniger. Als letztes die Familie Spiegel im Jahre 1892.

Zusammensetzung der Familie Spiegel

Siegmund „Menne“ Spiegel, ein Pferdehändler aus Ahlen heiratete Marga Spiegel (geb. Rothschild) im Januar 1937. Marga zog daraufhin zu Siegmund nach Ahlen. Ihr Mann Siegmund Spiegel war Kriegsfreiwilliger des Ersten Weltkrieges und Träger des Eisernen Kreuzes. Marga und Siegmund Spiegel bekamen später noch zwei Kinder. Am 14. Januar 1938 wurde ihre Tochter Karin geboren und am 28. Mai 1946 der Sohn Daniel.

Die „Kristallnacht“

Bis zum 9. November 1938 glaubten neben Siegmund Spiegel auch andere jüdische Bürger, dass niemand „Hand an sie legen würde“. In der „Kristallnacht“ wurde die Familie Spiegel in ihrer Wohnung brutal überfallen und der Vater von Marga Spiegel wurde in dieser Nacht noch ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Er soll wahrscheinlich vier Wochen später an inneren Blutungen gestorben sein.

Im Oktober 1939 musste die Familie Spiegel in einer Baracke in Dortmund eine neue Unterkunft finden, da der Ortsgruppenleiter Ahlens der NSDAP, Ahlen „judenfrei“ sehen wollte. Siegmund Spiegel fand daraufhin Arbeit und als es hieß, dass die Juden im Dezember 1941 „in den Osten“ transportiert werden sollten, wurde er von einem Dortmunder Polizisten, den er von früher noch kannte, gewarnt.

Verstecke der Familie Spiegel

Am 27. Februar 1943 wurde die Familie aufgefordert sich bei der Sammelstelle, dem Schlachthof in Dortmund, einzufinden. Die Familie Spiegel wollte daraufhin untertauchen. Siegmund Spiegel lieh sich bei einem befreundeten Bauern ein Fahrrad und fuhr damit nahegelegene Höfe ab. Er organisierte Lebensmittel und versuchte Zusagen für Versteckmöglichkeiten zu bekommen.

Siegmund Spiegel fand erst bei einem Bauern aus Dolberg, dann bei einem anderen Bekannten und anschließend bei dem Bauern Hubert Pentrop aus Nordkirchen ein vorübergehendes Versteck. Er fand auch ein Versteck für seine Frau und sein Kind in Herbern bei der Bäuerin Maria Aschoff. Damit sie nicht als „Juden“ erkannt werden, haben sie sich den Decknamen „Krone“ gegeben.

Marga und ihre Tochter Karin (geb.1938) versteckten sich zwischen 1943-1945 bei u.a. der Bauernfamilie Aschoff und verschiedenen Bauern aus dem Umkreis. Um nicht entdeckt zu werden, mussten sie genau wie Siegmund Spiegel, mehrmals das Versteck wechseln.

Die Bauern versteckten die Familie Spiegel 27 Monate lang, bis die Alliierten im April 1945 das Münsterland erreichten.

Nach Kriegsende blieb die Familie Spiegel mit den Bauern, die sie versteckt haben, in Kontakt und zogen wieder nach Ahlen. 37 Verwandte der Familie Spiegel überlebten den Holocaust nicht. Außerdem setzten sie sich dafür ein, dass die Bauern, die ihnen geholfen haben, eine Auszeichnung bekamen.

Heinrich Aschoff wurde 1965 als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet.

Als „Gerechte unter den Völkern“, werden die geehrt, die Juden während der NS-Zeit „geholfen“ haben. Sie werden von der israelischen Gedenkstätte Yad Vaschem geehrt.

Ein besonders bekanntes Mitglied der Familie Spiegel

Marga wurde am 21. Juni 1912 in Oberaula als Marga Rothschild geboren. Sie wurde als Tochter von Siegmund Rothschild (1882-1938) und dessen Ehefrau Cilly (Geburtsname: Rosenstock, 1888-1937) geboren und ist aus einer jüdischen Familie vom Land aus Nordhessen.

Sie besuchte von 1920-1922 die Privatschule von Adele Dippel in dem hessischen Dorf Oberaula und wechselte 1924 auf ein Lyzeum in (Gymnasium) nach Hersfeld.

1933, im Jahr der Machtergreifung Hitlers, legte Marga ihr Abitur auf einem Gymnasium in Frankfurt am Main ab. Danach begann sie ein Physik- und Mathematikstudium an der Uni in Marburg. Da sie die Tochter eines jüdischen Kriegsteilnehmers war, konnte sie sich zwar an der Universität einschreiben, musste aber das Studium nachdem zweiten Semester abbrechen.

Im März starb Margas Mutter an einer Herzerkrankung und ihr Vater zog zu ihr nach Ahlen.

Im Juni dieses Jahres wurde der Vater von Marga in das KZ Oranienburg oder Sachsenhausen transportiert und starb dort einen Monat später.

Im Krieg wurde die Familie von verschiedenen Bauern aus dem Münsterland aufgenommen.

Siegmund Spiegel lehnte eine Auswanderung ins Ausland ab, baute einen neuen Pferdehandel auf und es wurde der Sohn Daniel geboren. Beide Kinder wanderten später in die USA aus.

Siegmund Spiegel starb 1982 in Ahlen. Daraufhin zog sie nach Münster und verbrachte dort die letzte Zeit ihres Lebens. Sie starb am 11.März 2014 in Münster und wurde in Ahlen auf dem jüdischen Friedhof genau wie ihr Mann beigesetzt.

Bücher/Filme/Auszeichnungen

  • Autobiografischer Roman: Retter in der Nacht
  • 2009 wurde dieser Roman unter dem Titel „Unter Bauern-Retter in der Nacht“ verfilmt
  • Dauerausstellung Jüdische Lebenswege im Jüdischen Museum Westfalen gewidmet für: Jenny Aloni, Benno Elkan, Benno Jakob, Imo Moszkowicz, Jeanette Wolff und Spiegel seit 2004
  • Seit 2005 Ehrenmitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft
  • Juli 2010 erhielt Spiegel das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der BRD
  • November 2013 wurde sie mit dem Verdienstkreuz des Landes NRW ausgezeichnet

 

Quellen

http://www.wochenblatt.com/landleben/nachrichten/stille-helden-in-der-nacht-die-retter-der-familie-spiegel-7738.html

http://www.die-glocke.de/lokalnachrichten/kreiswarendorf/ahlen/Juden-Retterin-Anni-Richter-88-gestorben-3d647850-00b8-4c37-b26e-20bfdfaee5ee-ds

https://de.wikipedia.org/wiki/Marga_Spiegel

http://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/e-g/568-enniger-nordrhein-westfalen

https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Gemeinde_Enniger

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/1494

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Gerechten_unter_den_Völkern