Zeitzeugin Margret Oppenheimer

Quelle: Ausschnitte aus dem Interview vom 10. April 1995 geführt in ihrem Haus in Skokie, USA von Rochelle Katz im Auftrag der Shoah Foundation

Margret Oppenheimer wurde am 9. Mai 1924 als zweites von drei Kindern der Eheleute Hugo und Emmy Hoffmann in Oelde geboren. Angesichts des zunehmenden Antisemitismus zog die Familie zwischenzeitlich nach Köln und hinterher wieder zurück nach Oelde. 1941 wurde sie von Münster in das Ghetto von Riga deportiert. Bis zu ihrer Befreiung musste sie in verschiedenen Arbeitskommandos und Lagern Zwangsarbeit leisten. Sie wanderte 1951 von Frankfurt nach Australien und 1953 von dort in die USA aus.

Ausgrenzung und Entrechtung:

Margret Oppenheimer wohnte in Oelde. In Oelde gab es insgesamt 10 jüdische Familien. Sie ging in eine Katholische Schule. Mit 9 Jahren erfuhr sie durch ihre Mutter, dass sie Jüdin ist. In der Schule behandelte ihre Lehrerin sie schlecht und Margret wurde deshalb angeblich von anderen Kindern mit Schuhen, Eier und Steinen beworfen.

Eines Tages musste sie in der Schule die Nazi-Flagge hochhalten und wurde von ihrer Lehrerin geschlagen, da sie Jüdin war und sie die Flagge verschmutzen würde.

Ihre Eltern hatten ein eigenes Geschäft, wo viele Menschen einkaufen gingen. Doch die Nazis wollten, dass dort keine Menschen mehr einkaufen sollen und haben das Geschäft immer wieder barrikadiert.

Am 9. November 1938 (Reichspogromnacht) kamen die Nazis in ihr Elternhaus und haben es zerstört. Margrets Mutter wollte deshalb aus dem Fenster springen und sich umbringen. Alles was sie sahen war zerstört wie z.B. die Möbel, die Nahrung oder die Fenster. Nach der „Reichskristallnacht‘‘ wurden alle Juden (von Oelde) in 2 Häuser gesteckt und mussten ihr ganzes Hab & Gut abgeben. Sie durften nur lesen oder Karten spielen.

Verfolgung und Überleben:

Am 10. Dezember 1941 befahl der Bürgermeister von Oelde (der aus Margrets Sicht der Anstifter war), dass alle „auf Reise gehen werden‘‘. Er sagte allen Juden, dass sie ein besseres Leben haben würden. Am nächsten Morgen um 07:00 Uhr klopfte der Bürgermeister an ihrer Tür. Sie durften keine Sachen mitnehmen. Ein Laster stand vor der Tür (es waren schon viele Menschen aus der Umgebung auf dem Laster) und brachte die Menschen nach Münster zum Bahnhof. Der Zug fuhr am 13.Dezember 1941 von Münster über Bielefeld und Dortmund nach Riga und lud immer mehr Leute ein. Am 15. Dezember 1941 sind sie in Riga aufgeteilt worden. Zu der linken Seite sollten die Menschen gehen, die keine Kraft mehr hatten und zur rechten Seite die, die Kraft hatten. Sie mussten weit durch tiefen Schnee laufen und sind nach langer Zeit an dem Haus angekommen, wo sie zugeteilt worden sind. Das Haus hatte auf einen sehr kleinen Raum 2 Betten, eine Küche und ein Sofa. Sie mussten mit 4 anderen Leuten zusammen auf diesen kleinen Wohnraum schlafen (auf Tischen, Stühlen etc.).

Margret arbeitete als Krankenschwester, doch wegen den schlechten Bedingungen (wie z.B. keine Medizin) arbeitete sie beim Außendienst, wo sie die Straßen vom Schnee befreien musste. Außerdem musste sie die Kleidung von getöteten Juden waschen.

Es gab in dem KZ eine Kantine, wo sie Fischköpfe und Brenneseln zu Tisch bekommen haben. Durch das schlechte Essen haben sie in leeren Häusern nach Essen gesucht.

Später ist sie in ein anderes Kommando nach Riga gekommen (Fabrik). Dort musste sie U-Boote bauen, Holzschuhe anfertigen und Bäume fällen. In der Fabrik gab es gute Bedingungen. Ihnen wurde erlaubt, die Küche des Direktors zu benutzen. 1944 musste Margret aufhören in der Fabrik zu arbeiten und wurde ins KZ Kaiserwald geliefert. Das Lager musste sie aber schnell wieder verlassen, da die Russen näher kamen. Danach wurden sie in das KZ Stutthof (Nähe Danzig) mit einem Schiff umgelagert. Das KZ war überfüllt und durch die schlechten Bedingungen bekamen viele Menschen Läuse. Als die KZ-Leiter dies mitbekommen haben, sollten sich die KZ-Insassen ausziehen. Anschließend wurden sie beschriftet, ob sie arbeitsfähig oder arbeitsunfähig sind. Margret wurde zu der Seite der Arbeitsunfähigen zugeordnet. In der Nacht ist sie unter dem Elektrozaun geflüchtet, auf die andere Seite der Arbeitsfähigen. Am Morgen darauf mussten sich alle Insassen aufstellen. Auf der linken Seite gab es eine Person zu wenig. Nachdem sich Margret nicht meldete, suchten sie sich eine beliebige Person aus. Margret hatte Schuldgefühle für den Tod, doch sie war froh sich gerettet zu haben.

2 Wochen später wurde Margret auf dem SS-Truppenübungsplatz Sophienwalde (in Polen) umgelagert. Sie musste Bäume fällen, sowie Straßen und Häuser bauen. Sie wurde bedroht, dass wenn sie diese Aufgabe nicht täte, nach Ausschwitz gebracht werde. Durch diese schwere Arbeit bekam Margret Magenprobleme.

Weiterleben:

Die KZs wurden von den Russen gestürmt. Die Russen retteten die Juden und Margret lernte somit einen Soldaten kennen, den sie hinterher heiratete (1951).

Margret wollte nach Frankfurt (britische Zone), doch dort konnte sie sich nicht immigrieren und musste so nach Wiesbaden (amerikanische Zone) gehen. Sie wollte mit ihrem Mann nach Amerika auswandern, doch dies gelang ihnen nicht und sie sind somit nach Australien ausgewandert. Da die Entfernung zu ihrer Familie zu weit war, zogen sie zurück nach Deutschland. Sie arbeitete hart, damit sie das Ticket, welches ihr Bruder bezahlte, abbezahlen konnte. Sie wollte in Deutschland als Krankenschwester arbeiten, war aber zu alt und ist dann doch nach Amerika (Chicago) ausgewandert.  Dies war die beste Zeit ihres Lebens.